Archiv für den Monat: Oktober 2013

Die Rolle von Spielmechanismen und -dynamiken

Im Rahmen der Forschung über Spielifizierung entstanden zahlreiche Theorien, in denen beschrieben wurde, welche Elemente entscheidend für ein Spiel sind, und somit zur Spielifizierung verwendet werden könnten. Zusammenfassend werden hier nur einige wenige, aber dafür charakteristische Elemente betrachtet, welche von Forschern zur Spielifizierung genannt wurden und vielen Spielen gemeinsam sind. Würde man nur diejenigen Elemente betrachten, die in allen Spielen vorkommen, wäre das gefundene Set leer. Andererseits wäre es ein grenzenloses Unterfangen, sämtliche Elemente zu untersuchen, die jemals in einem beliebigen Spiel vorkamen (Deterding et al., 2011).

Belohnungen/ Auszeichungen Die Leistungen und Erfolge des Spielers werden gewürdigt, was durch Belohnungen (engl. rewards) und Auszeichnungen (engl. badges) umgesetzt werden kann (Zichermann & Cunningham, 2011). Als Beispiele können eine neue Möglichkeit im Spiel wie z.B. ein freigespielter Spielmodus, ein Preis oder eine Auszeichnung angeführt werden. Sie stellen Anerkennung für eine bestimmte Leistung dar (Zichermann & Cunningham, 2011).
Community Collaboration In Mehrspieler-Games bilden mehrere Spieler eine Gruppe, um eine Aufgabe zu lösen. Für die Lösung ist Zusammenarbeit notwendig (Koch & Ott, 2012).
Epic Meaning Der Spieler erhält den Eindruck, an der Erreichung eines Zieles von großer Bedeutung für ihn und/oder für die Gemeinschaft zu arbeiten (McGonigal, 2011).
Fortschrittsbalken Ein Fortschrittsbalken zeigt dem Spieler seinen aktuellen Leistungsstand. Normalerweise wird damit der bisherige Fortschritt und der noch zu erledigende Teil visualisiert (Koch & Ott, 2012).
Immersion Reality Der User wird in eine virtuelle Realität eingebunden (Ryan et al., 2013).
Levels Levels als Mechanismen können verschiedene Bedeutungen für ein Spiel haben. Einerseits zeigen sie den Fortschritt und den Status eines Spielers, andererseits kann durch eine Levelerhöhung der Schwierigkeitsgrad des Spiels erhöht werden (Zichermann & Cunningham, 2011).
Narratives Die individuelle Aktion des Spielers wird Teil eines großen Ganzen innerhalb einer bedeutenden Umgebung (Heylighen, 2011). Seine Handlungen werden in eine Art Geschichte eingebettet.
Personalisierung Das Spiel wird für den User personalisiert. Damit kann sich der User mit dem Spiel identifizieren (Zichermann & Cunningham, 2011). Zudem dient sie dem Selbstausdruck des Spielers (Ryan et al., 2013). Ein Beispiel ist die Selbst- Repräsentierung durch eine künstliche Person in einem Video- Spiel als grafische Stellvertretung einer echten Person.
Punkte Punkte werden in verschiedenen Formen, beispielsweise als Erfahrungs- oder Bonuspunkte, für die erfolgreiche Bewältigung einer Aufgabe im Spiel vergeben (Zichermann & Cunningham, 2011). Punkte zeigen dem Spieler, ob er sich zielgerichtet verhält.
Rankings/Status Rankings zeigen den Status eines Spielers, geben also den Fortschritt oder das Ergebnis relativ zu den anderen Spielern wieder und zeigen dem User seine Erfolgschancen (Reeves & Read, 2009). Es wird die Möglichkeit gegeben, dass die Position des Individuums im Spiel verbessert wird (Ryan et al., 2013).

Viele der Elemente können auch einzeln außerhalb von Spielen gefunden werden. Ein Spiel ergibt sich jedoch immer erst aus der Kombinationen vieler gemeinsamer Elemente (Juul, 2005). Dabei sind nicht alle Elemente notwendige Voraussetzung für ein erfolgreiches Spiel oder eine erfolgreiche Spielifizierung. Manche Mechanismen wie Personalisierung sind für ein gutes Spiel nicht unbedingt nötig, wie Deterding et al. (2011) am Beispiel eines Karten- oder Strategiespiels erklären. Es ist also möglich, für die Spielifizierung eines Prozesses lediglich solche Elemente zu verwenden, die der Situation im Unternehmen am ehesten gerecht werden.

Referenzen

  • Deterding, S., Dixon, D., Khaled, R. & Nacke, L. E. (2011). From game design elements to gamefulness: Defining “Gamification”. Paper presented at the MindTrek’11, Tampere.
  • Heylighen, F., Kostov, I. & Kiemen, M. (2013). Mobilization systems: Technologies for motivating and coordinating human action. Global Brain Institute.
  • Juul, J. (2005). Half-real: Video games between real rules and fictional worlds. Cambridge: MIT Press.
  • Koch, M. & Ott, F. (2012). Gamification – Steigerung der Nutzungsmotivation durch Spielkonzepte. Retrieved July 6, 2013, from www.soziotech.org/gamification‐steigerung‐der‐nutzungsmotivation‐durch‐spielkonzepte/
  • McGonigal, J. (2011). Reality is broken. London: The Penguin Press.
  • Reeves, B. & Read, L. J. (2009). Total engagement: Using games and virtual worlds to change the way people work and businesses compete. Boston: Harvard Business Press.
  • Ryan, M., Sleigh, A., Soh, K. W. & Li, Z. (2013). Why gamification is serious business. accenture: Outlook, 1/2013.
  • Zichermann, G. & Cunningham, C. (2011). Gamification by design: Implementing game mechanics in web and mobile apps (Vol. 1). Sebastopol: O’Reilly Media Inc.

Grundlagen des Cost Engineering

Cost Engineering ist ein ganzheitliches Management von Produktkosten im Verlauf des Produktlebenszyklus und zielt im Wesentlichen auf eine Optimierung der Kosten ab. Die über diese große Spannweite anfallenden Aufgaben betreffen die Bereiche Kostenprognose, Kostenanalyse, Kostenkontrolle, Kostenoptimierung sowie das Projekt- und Risikomanagement. Das Cost Engineering vereint unter anderem Kompetenzen aus dem Controlling, der Produktentwicklung sowie dem Projekt- und Risikomanagement (Wildemann, 2012). Daraus ergibt sich eine Mehrdimensionalität, welche verschiedenste Einsatzmöglichkeiten birgt.

Das Management von Kosten entlang des Produktlebenszyklus erfordert eine systematische Herangehensweise. Durch Nutzung von Erfahrungen, technischem Ermessen sowie Urteilsvermögen werden praxiserprobte und wissenschaftlich fundierte Methoden ausgewählt und angewandt. Zentraler Bestandteil ist es, die Kundenanforderungen zu analysieren und diesen gerecht zu werden. Einsetzbar ist dieses Prinzip sowohl in der Entwicklungs- als auch in der Produktionsphase. Neben dem Ziel der Produktkostenminimierung durch optimale Prozesse und Kostenverläufe kann durch Cost Engineering eine Verkürzung der Produktentwicklungszeiten erreicht werden. Darüber hinaus zielt Cost Engineering auf erhöhte Prognosegenauigkeit von Kosten und Zeiten ab. Möglich wird dies durch die effektive und spezifische Nutzung von Kostenmodellen. Nicht zuletzt stellt diese Praxis in jeder Produktlebensphase Kostentransparenz sicher (Wildemann, 2012). Durch genaue Abschätzungen der Kosten für Tätigkeiten und Leistungen, wird der Entscheidungsfindungsprozess auf der Managementebene erleichtert und ermöglicht.

Für eine erfolgreiche Umsetzung von Cost Engineering sind bestimmte Grundvoraussetzungen zu erfüllen, dazu zählt eine geeignete Wissensmanagement- und IT-Struktur. Darüber hinaus ist eine Ausrichtung an den Gesamtkosten, dem Lebenszyklus und dem Markt sowie der Integration von internen– und externen Funktionen einzuhalten. Ebenso vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten sind die Implementierungsmöglichkeiten in die Unternehmensstruktur (Wildemann, 2012). Cost Engineering und dessen Methoden fordern von Unternehmen Kooperation und Kommunikation aller Beteiligten. Hinzu kommt die Tatsache, dass der Anteil an der Unternehmensleistung, der durch Wissen generiert wird, den Beitrag an der Wertgenerierung durch Maschinen übersteigt (North, 2005). Durch diese Faktoren wird das Management von Wissen eine notwendige Grundlage für die Anpassung an die Umwelt. Das bedeutet, dass das Know-how im Unternehmen gesammelt, gesichert und zukünftig zur Anwendung bereitgestellt werden muss.

Hinsichtlich der Unternehmensorganisation kann man eine Cost Engineering Abteilung oder Stelle unterschiedlich in die Struktur einbinden. Wie die Ausgestaltung im Einzelnen aussieht, ist von Fall zu Fall unterschiedlich (AACE-International, 2006). Bei der Wahl der Methoden ist es nötig, diese an den Kompetenzen der Mitarbeiter zu orientieren beziehungsweise die richtigen Mitarbeiter auszuwählen und entsprechend zu schulen. Grundsätzlich ist es ratsam, das Cost Engineering stufenweise in das Unternehmen zu integrieren, um das erforderliche Know-how aufzubauen sowie Akzeptanz
sicherzustellen.

Referenzen

  • AACE-International. (2006). Total Cost Management Framework – An Integrated Approach to Portfolio, Program, and Project Management.
  • North, Klaus. (2005). Wissensorientierte Unternehmensführung (Vol. 5). Wiesbaden: Gabler Verlag.
  • Wildemann, Horst. (2012). Cost Engineering Leitfaden zur Gestaltung von Produktkosten (1. Auflage ed.). München: TCW Transfer-Centrum GmbH & Co. KG.