Der Zusammenhang von Spielifizierung und Motivation

Spieldesigner haben jahrelang Spielmechanismen variiert und selektiert, um Spiele zu konstruieren, die stark motivierend sind (Heylighen et al., 2013). Dabei haben Spielforscher (e.g., Zichermann & Cunningham, 2011) nach gemeinsamen Elementen gesucht, die Spiele besonders interessant und unterhaltend machen. Da User die Motivation aufbringen, sich intensiv mit Spielen zu beschäftigen, gehen die Forscher davon aus, dass die Elemente eines Spiels auch in anderen Kontexten motivierend wirken und damit zur Spielifizierung verwendet werden können.

Deterding (2011) sieht in der Selbstbestimmungstheorie, welche die am besten empirisch untersuchte Theorie zur intrinsischen Motivation darstellt, die beste Theorie zur Motivationspsychologie in (Video-)Spielen und somit auch in der Spielifizierung: Die motivierenden Wirkungen von Spielmechanismen können so in die Makro-Theorie der menschlichen Motivation eingebettet werden. Spielerische Elemente sind in der Lage, intrinsisch motivierend zu wirken und die Bedürfnisse der Selbstbestimmungstheorie zu befriedigen (Rigby & Ryan, 2011). Groh (2012) fasst jeweils zusammen, wie die Elemente der Selbstbestimmungstheorie mit Spielifizierung korrelieren: Um soziale Eingebundenheit zu fördern, sollte ein spielifiziertes System dem User Ziele, eine Story und eine Community bieten, die für den User Bedeutung haben. Damit sich der User kompetent fühlt, sollte ein spielifiziertes System interessante Herausforderungen, klare Ziele und gewinnbringendes Feedback enthalten. Um Autonomie zu erhalten, ist es wichtig, dass die Aufgabe, wie in einem Spiel, freiwillig, also ohne wahrgenommene Kontrolle, gelöst wird. Auch Zichermann und Cunningham (2011) nennen die Freiwilligkeit einen zentralen Aspekt des Spielens. Während der Nutzer durch die Spielifizierung eines Prozesses indirekt kontrolliert wird, da er eine bestimmte Aufgabe erfüllen soll, muss unbedingt ein Gefühl der Autonomie bestehen bleiben. Die Spielifizierung darf nicht wie eine Manipulation des Nutzers wirken. Weil davon ausgegangen wird, dass Spielifizierung die wahrgenommene Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit des Menschen unterstützt, kann auch eine Steigerung der intrinsischen Motivation angenommen werden.

Sowohl der Zusammenhang zwischen den Elementen in einem Spiel und der intrinsischen Motivation (Malone, 1981) als auch zwischen der Motivation und Arbeitsaufgaben (e.g., Gagné & Deci, 2005) wurden bereits empirisch untersucht. Witt et al. (2012) testeten den Zusammenhang von Spielmechanismen in spielfremdem Kontext und intrinsischer Motivation, haben jedoch lediglich Tendenzen aufgezeigt und keine Zusammenhangsanalyse durchgeführt. Der Einfluss von spielerischen Elementen in spielfremdem Kontext auf die intrinsische Motivation ist nach unserem besten Wissen noch nie empirisch analysiert worden, so dass hier eine Forschungslücke besteht. Durch eine solche Analyse könnte überprüft werden, ob Spielifizierung, also die Verwendung von spielerischen Elementen im Arbeitsumfeld, tatsächlich zu einer Steigerung der intrinsischen Motivation der Mitarbeiter führen kann.

Referenzen

  • Deterding, S. (2011). Situated motivational affordances of game elements: A conceptual model. Paper presented at the Chi 2011, Vancouver.
  • Gagné, M. & Deci, E. L. (2005). Self-determination theory and work motivation. Journal of Organizational Behavior, 26, 331-362.
  • Groh, F. (2012). Gamification: State of the art definition and utilization. Research trends in media informatics. Ulm.
  • Heylighen, F., Kostov, I. & Kiemen, M. (2013). Mobilization systems: Technologies for motivating and coordinating human action. Global Brain Institute.
  • Malone, T. W. (1981). Toward a theory of intrinsically motivating instruction. Cognitive Science, 5(4), 333-369.
  • Rigby, S. & Ryan, R. M. (2011). Glued to games: How video games draw us in and hold us spellbound. Santa Barbara: Praeger.
  • Witt, M., Schreiner, C. & Robra-Bissantz, S. (2012). Gamification of online idea competitions: Insights from an explorative case.
  • Zichermann, G. & Cunningham, C. (2011). Gamification by design: Implementing game mechanics in web and mobile apps (Vol. 1). Sebastopol: O’Reilly Media Inc.